Gaming-PC zusammenstellen: CPU, RAM und Grafikkarte richtig gewichten

Bei einem Gaming-PC sollte meist die Grafikkarte den größten Anteil des Budgets erhalten. Wie viel Geld für Prozessor und Arbeitsspeicher übrig bleibt, hängt von den Spielen sowie von der gewünschten Auflösung und Bildrate ab. Der Prozessor berechnet unter anderem die Spiellogik, die Grafikkarte erzeugt die Bilder. Ist eine Komponente zu langsam, begrenzt sie die Leistung des PCs.

Bei den höheren Auflösungen WQHD und 4K zählt vor allem eine passende Grafikkarte. Bei Full HD und sehr hohen Bildraten ist der Prozessor wichtiger. Eine feste Prozentregel gibt es nicht: Grafikkarte, Prozessor und Arbeitsspeicher müssen zum eigenen Spielziel passen.

Spielziel zuerst festlegen

Notieren Sie vor dem Kauf Ihre wichtigsten Spiele, die Monitorauflösung und die gewünschte Bildrate. Full HD, WQHD und 4K stehen für unterschiedliche Auflösungsstufen. Je höher die Auflösung und je anspruchsvoller die Grafikeinstellungen, desto mehr Arbeit übernimmt in der Regel die Grafikkarte.

Auch die Spiele machen einen Unterschied. Ein kompetitives Spiel mit hohen Bildraten stellt andere Anforderungen als ein grafisch aufwendiges Einzelspieler-Spiel mit hohen Details. Wer nebenbei streamt oder aufnimmt, sollte zusätzlich einplanen, dass Prozessor und Arbeitsspeicher stärker beansprucht werden.

Vergleichen Sie Leistungstests (Benchmarks) nur, wenn Auflösung, Spiele und Grafikeinstellungen zu Ihrem Vorhaben passen. Eine Grafikkarte liefert in Full HD deutlich mehr Bilder als in WQHD. Bei niedriger Auflösung und hoher Bildrate kann der Prozessor die Leistung begrenzen, sodass eine noch schnellere Grafikkarte nur einen kleinen Zuwachs bringt.

Prozessor passend wählen

Für viele Gaming-PCs ist ein aktueller Prozessor mit sechs bis acht Kernen ein guter Startpunkt. Die Kernzahl allein sagt allerdings wenig über die Spieleleistung aus. Auch die Prozessorgeneration, der Aufbau des Prozessors (Architektur) und seine Taktfrequenz zählen. Entscheidend ist außerdem, wie der Prozessor in den jeweiligen Spielen abschneidet.

Mehr Geld für die CPU lohnt sich vor allem, wenn Sie häufig Spiele mit hohen Bildraten spielen, bei niedriger Auflösung möglichst viele Bilder pro Sekunde erreichen möchten oder neben dem Spiel rechenintensive Aufgaben erledigen. Auch einzelne Spiele belasten den Prozessor stärker als andere. Prüfen Sie deshalb Tests genau dieser Spiele, statt allein nach Kernzahl oder Preis zu entscheiden.

Bei grafisch anspruchsvollen Spielen in WQHD oder 4K ist eine teurere CPU häufig weniger sinnvoll als eine stärkere Grafikkarte. Sparen Sie beim Prozessor trotzdem nicht so weit, dass er die Leistung der gewählten Grafikkarte ausbremst. Ein ausgewogenes Paar ist wichtiger als ein besonders teures Einzelteil.

Arbeitsspeicher sinnvoll einplanen

16 GB RAM können für den Einstieg reichen. 32 GB bieten mehr Platz für Spiele mit hohem Arbeitsspeicherbedarf. Sie sind auch hilfreich für Mods und Streaming sowie für viele gleichzeitig geöffnete Programme. Mehr Arbeitsspeicher erhöht die Bildrate jedoch nicht automatisch. In Tests mit ausgewählten Spielen reichten 16 GB aus; 32 GB brachten nicht immer einen messbaren Leistungsvorteil. Diese Ergebnisse gelten nicht automatisch für alle Spiele und Nutzungsarten.

Wählen Sie 32 GB, wenn Sie mehrere anspruchsvolle Programme gleichzeitig nutzen oder länger Reserve für neue Spiele einplanen möchten. Ist das Budget knapp, vergleichen Sie den Aufpreis mit dem Schritt zu einer stärkeren Grafikkarte. Für einen PC, der vor allem einzelne Spiele ohne große Hintergrundlast ausführt, kann 16 GB als Einstieg vertretbar sein.

RAM und Grafikspeicher sind verschiedene Ressourcen. Der Arbeitsspeicher versorgt Betriebssystem, Spiele und Programme; der Grafikspeicher sitzt auf der Grafikkarte und hält unter anderem Grafikdaten bereit. Ist der Grafikspeicher knapp, greifen Spiele stärker auf den Arbeitsspeicher zurück. Wenn auch dort wenig Platz bleibt, leidet die Gleichmäßigkeit der Bildausgabe. Ein einzelner Test zu Spider-Man 2 zeigte diesen Effekt bei einer bestimmten Kombination aus Grafikkarte mit 8 GB Grafikspeicher und 16 GB RAM und weist auf mögliche Engpässe bei genau dieser Kombination hin. Daraus lässt sich keine allgemeine Leistungsregel für jedes Spiel ableiten.

Grafikkarte nach Auflösung wählen

Bei einem Rechner, der hauptsächlich zum Spielen dient, sollte die Grafikkarte meist den größten Einzelposten bilden. Für Full HD reicht häufig eine preisbewusste Leistungsklasse, sofern sie die gewünschten Spiele und Einstellungen bewältigt. Bei WQHD mit hohen Details ist oft eine stärkere Mittelklasse nötig. Für 4K und anspruchsvolles Raytracing, also die Berechnung realistischer Licht- und Schatteneffekte, braucht es noch mehr Grafikleistung.

Auch die Menge des Grafikspeichers spielt eine Rolle. 8 GB können in aktuellen Spielen einschränken, besonders bei hohen Details oder höheren Auflösungen. 12 GB sind für WQHD keine sichere Reserve in jeder Situation; 16 GB bieten bei passenden Karten mehr Spielraum. Mehr Grafikspeicher gleicht fehlende Rechenleistung nicht aus: Eine Grafikkarte mit mehr Speicher ist nicht automatisch schneller als ein Modell mit weniger.

Spielziel Orientierung für Grafikkarte und Speicher
Full HD mit knappem Budget Eine gute Leistung pro Euro zählt. 8 GB Grafikspeicher können bei neuen Spielen und hohen Details an Grenzen stoßen.
WQHD mit hohen Details Eine stärkere Mittelklasse ist oft passend. Vergleichen Sie sowohl die Spieleleistung als auch die Grafikspeichermenge; 12 GB reichen nicht in jedem Szenario als Reserve.
4K oder Raytracing Planen Sie einen größeren Budgetanteil für eine leistungsstarke Grafikkarte ein. Mehr Grafikspeicher hilft nur, wenn auch die Rechenleistung ausreicht.

Prüfen Sie vor dem Kauf Benchmarks für Ihre Spiele und die gewünschte Auflösung. Vergleichen Sie auch die Leistung bei Raytracing und Funktionen wie Hochskalierung, bei denen die Grafikkarte ein Bild mit geringerer Auflösung berechnet und für die Ausgabe verbessert. Preis-Leistungs-Ranglisten können sich je nach Auflösung und Grafikeinstellung unterscheiden.

Gaming-PC-Budget aufteilen

Diese Budgetstufen dienen als Beispiele, nicht als feste Marktpreise. Sie setzen voraus, dass das Geld für den Rechner gedacht ist. Monitor, Betriebssystem und Zubehör können die Gesamtrechnung deutlich verändern. Mainboard, Netzteil, Kühlung, Gehäuse und Speicherplatz müssen ebenfalls ins Budget passen.

Budget für den Rechner Mögliche Ausrichtung Gewichtung von CPU, RAM und Grafikkarte
Bis etwa 800 € Full-HD-Gaming Preiswerte Grafikkarte und moderne CPU mit sechs Kernen priorisieren; 16 GB RAM als Einstieg einplanen.
Mittleres Budget Starkes Full HD, je nach Spiel auch WQHD Mehr Budget für die Grafikkarte vorsehen. 16 GB RAM können als Basis genügen; 32 GB sind bei Multitasking oder speicherhungrigen Spielen sinnvoll.
Gehobenes Budget WQHD mit hohen Details, je nach Karte auch 4K Eine stärkere Grafikkarte wählen und 32 GB RAM als Reserve erwägen. Die CPU sollte zur gewünschten Bildrate passen.
Hohes Budget High-End-Gaming oder zusätzliche rechenintensive Nutzung Mehr Geld für Grafikkarte und passende Kühlung einplanen. Eine teurere CPU lohnt sich, wenn Spiele oder Zusatzaufgaben davon profitieren.

Ein Richtwert für einen preisbewussten Full-HD-Rechner setzt etwa 40 bis 45 Prozent des Budgets für die Grafikkarte und 15 bis 20 Prozent für den Prozessor an. Diese Aufteilung ist ein Startpunkt, keine verbindliche Formel. Ändern sich die Preise oder das Spielziel, verschiebt sich auch die sinnvolle Verteilung. Wenn eine teurere RAM-Ausstattung den Wechsel zu einer spürbar stärkeren Grafikkarte verhindert, lohnt es sich, beide Möglichkeiten anhand der eigenen Spiele zu vergleichen.

SSD-Kapazität planen

Der Rechner nutzt den Arbeitsspeicher für Daten, die er gerade braucht. Eine SSD speichert Betriebssystem, Spiele und Dateien dauerhaft. Mehr SSD-Kapazität erhöht die Bildrate nicht automatisch, verhindert aber, dass Sie installierte Spiele häufig löschen müssen, um Platz zu schaffen.

Für viele Spieler ist 1 TB ein sinnvoller Planungswert. Wer regelmäßig mehrere große Spiele installiert, kommt mit 1 bis 2 TB komfortabler aus. Planen Sie die SSD-Kapazität als Speicherplatz ein und rechnen Sie sie getrennt von RAM und Grafikkarte.